Marktentwicklung der fairen Handels
Glaubt man Statistiken und Prognosen, so ist der Faire Handel
auf dem
Vormarsch. So ist der Absatz "fair" zertifizierter Produkte in den
letzten Jahren global um 20-45% pro Jahr angestiegen. Laut einer Statistik der
Organisation Forum
Fairer Handel, wurden beispielsweise in
Deutschland im Jahr der beginnenden Finanzkrise, 2008, 50%
mehr faire Produkte verkauft als im Vorjahr. In Österreich und der
Schweiz stiegen die Zahlen weniger drastisch, aber dennoch erheblich,
um 22% bzw. 7%. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass unsere
Nachbarländer, v.a. die Schweiz, uns in diesem Bereich weit voraus
sind. Dort wurden, bei wesentlich geringerer Einwohnerzahl, bereits
2007 mehr fair gehandelte Produkte verkauft als in Deutschland. Vor
allem in Großbritannien bieten immer mehr konventionelle Firmen
für ethisch orientierte Konsumenten nun auch fair gehandelte
Produkte an. Eine Kehrtwende dieses Trends ist nicht zu erwarten.
Erfahrungsgemäß fördern Krisen, Umweltskandale usw. den
Absatz nachhaltiger Produkte. Dies lässt sich z.B. auch an der
Entwicklung der Biobranche oder in der starken Zunahme ethischer
Geldanlagen in den letzten Jahre erkennen.
Im Elektroniksektor hat der Faire Handel derzeit zwar noch einen Anteil
von nicht mehr als 0%. Dank der intensiven Bemühungen von Umwelt-
und Menschenrechtsorganisationen wie Germanwatch, SOMO (NL) oder Oxfam
(GB), ist aber bereits ein potentieller Kundenkreis für ein
entsprechendes Produkt vorhanden. Diese Organisationen bemühen
sich
seit einigen Jahren erfolgreich, die Probleme in der
Elektronik-Produktion allgemein bekannt zu machen. Erfolge zeichnen
sich zum Beispiel in der öffentlichen Beschaffung ab: In der
Schweiz und den Niederlanden gab es z.B. bereits die ersten
öffentlichen Ausschreibungen für nachhaltig produzierte IT
Geräte. In Deutschland haben seit 2002 fast 200 Gemeinden,
Städte und Länder den Beschluss gefasst, allgemein Produkte
aus ausbeuterischer Kinderarbeit von der öffentlichen Beschaffung
auszuschließen. Bisher ist die Umsetzung dieses Beschlusses
freilich bei vielen Produkten, wie eben z.B. Computern noch nicht
möglich ist. Damit bietet sich heute die Situation, dass es
bereits einen Markt für „faire Elektronik“ gibt, das Produkt aber
noch aussteht: Wir wähnen alle diese nachhaltigen Gemeinden,
Länder etc. als unsere potentiellen Kunden.