FAQ / Häufige Einwände
Hat die Maus überhaupt
noch eine
Zukunft?
Wie wird der Begriff "fair"
in
diesem Projekt definiert?
Wenn eine komplett faire Maus
nicht
möglich ist, kann so eine teil-faire Maus überhaupt
vermarktet werden?
Inwieweit wird die
Problematik der
Entsorgung in diesem Projekt berücksichtigt?
Inwieweit wird die Problematik
des Klimaschutzes
in diesem Projekt berücksichtigt?
Warum eigentlich eine Maus und kein
Computer oder Handy?
Wie sieht der Absatzmarkt aus?
Warum sind konventionelle Mäuse unfair?
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Hat
die Maus überhaupt noch eine
Zukunft?
Eine Frage, die sich mit Blick auf Entwicklungen wie
Touchpad und
Touchscreen förmlich aufdrängt. Die Maus scheint es aber
noch
einige Jahre zu geben.
Hier ein kleiner Überblick:
Die PC Maus existiert seit ca. 40 Jahren, auch wenn sie erst seit ca.
15 Jahren weit verbreitet ist. Größter Hersteller ist die
Firma
Logitech. Sie verkaufte in den Jahren 2003-2008 durchschnittlich
100
Mio.
PC-Mäuse
pro
Jahr.
Mit Blick auf die
Entwicklung des Touchscreens, aber auch durch die immer weitere
Verbreitung von Laptops mit integriertem Touchpad prophezeien
vereinzelt Experten der Maus in naher Zukunft eine rapide sinkende
Nachfrage.
Internetrecherchen haben aber ergeben, dass zumeist in den neuen
Technologien
keine Gefahr für die Maus gesehen wird,
besonders
nicht an Bürocomputern. Hier haben diese neuen Eingabeformen
gegenüber der Maus keine wesentlichen Vorteile. Deswegen werden
z.B. öffentliche Einrichtungen in naher Zukunft weiterhin
Mäuse benötigen. Um ein Touchscreen benutzen zu können,
bedarf
es der Anschaffung eines neuen PCs. Gerade für öffentliche
Büroarbeitsplätze werden aber Mehrausgaben für
aufwendigere Technik nur dann getätigt, wenn ein sichtbarer
Vorteil daraus entsteht. Das heißt, es werden ohne
triftigen Grund keine neuen PCs angeschafft.
Sollte die Maus wider Erwarten tatsächlich nach einigen Jahren zum
Auslaufmodell werden, so können die Bemühungen, eine faire
Maus zu etablieren, dennoch nicht als zwecklos angesehen werden. Am
Modell der Maus kann gut ausprobiert werden kann, wie ein solches
Geschäft aufgebaut sein könnte. Die
Erfahrungen
können
dann
auf andere elektronische Geräte übertragen
werden. Zudem
soll mit dem Projekt der fairen Maus die Nachfrage nach fairer
Elektronik angekurbelt werden. Diese kann dann mit weiteren
Elektrogeräten bedient werden.
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Wie wird der Begriff "fair"
in diesem Projekt definiert?
Je nach Hintergrund und Weltanschauung kann es irritieren, wenn der
Begriff „fair gehandelt“ ohne direkten Zusammenhang mit
Entwicklungsländern verwendet wird. Die ursprüngliche
Bedeutung des Begriffes "fair" zielt darauf ab, dass Waren zum Nutzen
beider Seiten gehandelt werden, ohne dass eine Seite über die
Maßen ausgenutzt wird. Diese Form des Handels sollte eigentlich
als „normal“
bezeichnet werden. In unserer sehr globalisierten Welt ist sie aber
alles
andere als eine Selbstverständlichkeit. Ob dieser Handel
speziell armen Regionen in Entwicklungsländern
zugute kommen muss, ist eine Streitfrage.
In unserem Projekt bedeutet der
Begriff „fair", dass die Maus ohne Ausbeutung und
Menschenrechtsverletzungen hergestellt wird. Das mag lächerlich
bescheiden klingen. In Anbetracht der aktuellen Situation sowie unserer
Möglichkeiten als kleines Projekt ist es aber ein fast schon
anmaßend hoch gesetztes Ziel. (vgl. z.B.
Komplexität der
Lieferkette)
Darüber hinaus
verfolgt das Projekt das Ziel, auf lange
Sicht ArbeiterInnen in den betroffenen
Entwicklungs- und Schwellenländern zu unterstützen: Durch
unsere Maus soll eine Entwicklung
angestoßen werden, die am Ende auch größere Firmen zum
Handeln bewegt. Diese Firmen haben dann durch ihre
Größe und ihre Marktmacht viel bessere Möglichkeiten
auch in klassischen Produktionsländern wie z.B. Vietnam bessere
Arbeitsbedingungen umzusetzen. Das Leitbild des Projektes ist also eine
faire Produktionskette in heute bestehenden Strukturen.
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Wenn eine komplett faire
Maus
nicht möglich ist, kann so eine teil-faire Maus überhaupt
vermarktet werden?
Unsere Maus wird mit Abstand das nachhaltigste IT Produkt sein, dass es
auf dem Markt gibt. Dies werden wir bei der Vermarktung immer betonen.
Zwar kann aufgrund der zentralisierten Struktur der Lieferkette
Ausbeutung vorerst nicht ausgeschlossen werden. Der Anteil an
ausbeuterischer Arbeit in unserer Maus ist aber, verglichen mit ihren
„Artgenossen“, erheblich reduziert. Somit ist diese Maus, wenn auch
keine komplett
faire, so doch eine ziemlich nachhaltige. Sie ist die mit Abstand
fairste Alternative und daher anderen Mäusen in jedem Fall
vorzuziehen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Projekt PHeFE ein
dynamisches ist: Das Ziel der wirklich fairen Maus wird nicht aus
den Augen verloren. Weitere Bemühungen, den
Produktionsprozess der Maus noch fairer zu gestalten (s.o.), werden
transparent dokumentiert und öffentlich oder auf
Nachfrage einsehbar sein.
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Inwieweit wird die
Problematik der Entsorgung in diesem Projekt berücksichtigt?
Die fachgerechte Entsorgung von Altgeräten ist
ein
viel diskutiertes
Thema in der Elektrobranche.
Hintergrund der Diskussionen sind Ressourcenknappheit sowie wiederum
Umwelt- und Menschenrechtsprobleme nicht nur im Bergbau, sondern auch
in den Entsorgungsstätten in
Entwicklungsländern. An beiden Stätten sind nicht selten auch
Kinder im
Grundschulalter beschäftigt, die wie ihre erwachsenen Kollegen
ohne
jeglichen Schutz die Edelmetalle für unsere elektronischen
Geräte
abbauen bzw. aus unseren Altgeräten wiedergewinnen. Dabei sind sie
extrem gesundheitsschädlichen Chemikalien ausgesetzt. Um das zu
verhindern, müssen wir darauf achten, an wen wir unsere
Altgeräte zur
Entsorgung geben. In der Produktion werden wir möglichst
viele recyclete Metalle verwenden, die in hiesigen Betrieben wieder
gewonnen wurden.Besonders fortschrittlich ist in der
Diskussion um nachhaltige Entsorgung und Wiederverwertung ist der
Gedanke des Re-Use: Es sollen also nicht nur Rohstoffe sondern
komplette
Funktionseinheiten wiederverwendet werden, so dass ein Großteil
der
Prozesskosten (einschließlich der sozialen und ökologischen)
eingespart werden können. Bei aller Brisanz soll die Frage der
umwelt- und
menschenfreundlichen Wiederverwertbarkeit in Konstruktion
der fairen Maus aus zwei Gründen nicht
übermäßig in den Mittelpunkt rücken:
Zum einen werden nach
Auskunft verschiedener Demontage- und Recyclingfirmen abgegebene
Computermäuse nicht in
Einzelteile zerlegt, sondern komplett geschreddert. Anschließend
werden die verwertbaren Edelmetalle heraus gelöst und abgesondert.
Dies scheint derzeit gängige Praxis zu sein.
Zum einen wandert auch die Re-Use freundlichste Maus leider in den
meisten Fällen in den Hausmüll: Europaweit wird nur ein
Viertel des
Elektroschrottes, zu dem auch unsere Mäuse in hoffentlich ferner
Zukunft mal werden, fachgerecht entsorgt. Das heißt andersrum,
75%
landen auf der Deponie.
Aus diesen Gründen soll vorerst nicht allzu viel Energie auf eine
Re-Use freundliche Konstruktion verwendet werden. Dies kann in einem
späteren Stadium geschehen. Zunächst soll erstmal auf der
Verpackung oder, wenn möglich, auf dem Gehäuse der fairen
Maus explizit darauf hingewiesen werden, dass diese Maus zwar unter
nachhaltige Bedingungen hergestellt wurde, eine umwelt- und
sozialverträgliche Entsorgung aber nur dann möglich ist, wenn
sie bei entsprechenden Stellen abgegeben wird. Ein Hinweis auf den Wert
der enthaltenen Edelmetalle kann als weitere Motivation für den
Kunden dienen, die Maus nicht im Hausmüll zu entsorgen, sondern
zurück zu geben. Letztlich liegt aber die Verantwortung bei jedem
einzelnen Verbraucher.
Er (oder sie) entscheidet, ob er seine Geräte nachhaltig entsorgt
oder
eben nicht.
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Inwieweit wird die
Problematik
des Klimaschutzes in diesem Projekt berücksichtigt?
Durch die Verwendung von recyceltem Lötzinn
Beispielsweise werden nicht
nur negative Umweltauswirkungen durch
Bergbau vermieden, sondern auch große Mengen Energie eingespart,
was die CO2-Bilanz der Maus erheblich verbessert. Auch durch die
Tatsache, dass sie in Ländern produziert wird, in denen die
relativ strengen Umweltgesetze weitestgehend eingehalten werden, hat
die Produktion weniger schädliche Auswirkungen auf die Umwelt
allgemein und das Klima im speziellen, als das bei konventionellen
Computermäusen der Fall ist. Zu guter Letzt vermeidet die
regionale Vermarktung (die Mäuse werden in Deutschland hergestellt
und vorwiegend auch dort verkauft werden) unnötige Transportwege.
Nachdem wir für unsere Maus keinen geeigneten Recyclingkunststoff
finden konnten, greifen wir nun auf einen Werkstoff aus nachwachsenden
Rohstoffen zurück. Um aber neben dem Klimaschutz auch die
übrigen Belange unserer Umwelt wie Wasser-
und Luftverschmutzung, Bodendegradation und Zerstörung von
Lebensraum und Artenvielfalt, sowie auch Menschenrechte angemessen zu
berücksichtigen, haben wir den Grundstoff sorgfältig
ausgewählt: Der gewählte Kunststoff, Arboblend, besteht zum
Großteil aus Holzresten. Alle Bestandteile kommen aus Europa.
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Warum
eigentlich eine Maus und kein Computer oder Handy?
Zum einen ist die PC Maus ein so kleines, einfach
strukturiertes Gerät,
dass eine Umsetzung des Projekts realistisch erscheint. Andere
Geräte
wären für den Anfang zu komplex, so dass man von vornherein
zu große
Kompromisse eingehen müsste. Zum anderen ist die Maus universal
bzw. unspezifisch: Jede Maus mit USB
Anschluss kann an jeden beliebigen PC angeschlossen und mit jedem
Betriebssystem verwendet werden. An Mäuse, die in
gewöhnlichen
Büros zur Anwendung kommen, werden in der Regel keine festgelegten
Anforderungen gestellt. Im Gegensatz zu PCs haben haben Nutzer bei
Mäusen meist auch keine
ausgeprägten Präferenzen in Bezug auf den Hersteller.
Zwar gibt es neben dem Hauptunterscheidungsmerkmal,
der Form des
Gehäuses, auch technische Unterschiede (mit oder ohne Kabel, mit
Laser
oder LED, usw.)
doch wird der Markt eindeutig von kabelgebundenen optischen Mäusen
mit
LED Lichtquelle dominiert. Andere technische Besonderheiten sind
derzeit verhältnismäßig kostspielig und scheinen daher
nicht für den
Massengebrauch geeignet zu sein. Mit einer LED-Kabel-Maus stehen uns
also äußerst
vielfältige Absatzmöglichkeiten
zur Verfügung.
Ein weiterer Vorteil der Maus ist, dass sie ein kleines,
kostengünstiges Gerät ist, das auch bei Verdoppelung des
Preises kein
übermäßiges Loch in die Haushaltskasse reißen
wird. Aus diesem Grund
werden sich z.B. öffentliche Beschaffungsstellen leichter dazu
bewegen
lassen, diese geringen Mehrkosten aufzubringen.
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Wie sieht der Absatzmarkt aus
Vornehmlich angestrebter Absatzmarkt ist die
öffentliche
Beschaffung, aber auch die
LOHAS
Anhänger (Lifestyle of Health and Sustainability)
(s.
Absatzmarkt)
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Seit einigen Jahren werden in gut recherchierten
Studien verschiedener
unabhängiger Organisationen Informationen über
mangelhafte
Arbeitsbedingungen
in
der
Elektronikbranche
veröffentlicht
(vgl.
Links). Die Wertschöpfungskette
dieser als hochtechnisiert wahrgenommenen Branche wird demnach von
Handarbeit
dominiert, die in
Schwellen- und Entwicklungsländern
ausgeführt wird. Die Sozialstandards an diesen Arbeitsplätzen
entsprechen in der Regel nicht den anerkannten Normen, wie sie die die
internationale Arbeitsorganisation (IAO/ LO) festlegt und in vielen
Fällen auch nicht den grundlegenden Menschenrechten. Diese
Situation ist aus vielen anderen Branchen, v.a. landwirtschaftlicher
Produktion, aber z.B. auch der Textilbranche bekannt:
Unverhältnismäßig viele Überstunden, extrem
gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, ausbeuterische
Kinderarbeit, erhebliche Umweltzerstörung, die den Menschen der
Umgebung grundlegenden Schaden zufügt etc. bestimmen das
Tagesgeschäft auch in der Elektronikbranche. Besonders betroffen
sind diejenigen Arbeitsschritte, die, oft aus Kostengründen, wenig
technisiert sind. Hier kommen besonders viele
ungelernte
Arbeitskräfte zum Einsatz. Diese sind nicht spezialisiert und
daher
leicht austauschbar und zudem kostengünstig.
Dies ist zum Beispiel der Fall in der
Gewinnung der Rohstoffe,
v.a. Erze aus denen grundlegende Metalle wie Kupfer, Zinn, Gold,
Tantal, etc. gewonnen werden. Diese Rohstoffe kommen nicht selten aus
Entwicklungsländern. Hier kommt es im Bergbau besonders
häufig auch zur Ausbeutung noch sehr junger Kinder. Die
gesundheitlichen Folgen sowie die Umweltzerstörung in diesen
Gegenden sind verheerend. Nicht zu vergessen ist auch das Erdöl,
das als Grundlage für Kunststoff dient. Auch bei der Gewinnung
dieses "Alltagsproduktes" stellen Menschenrechtsverletzungen keine
Seltenheit dar.
Zum anderen wird das
Zusammensetzen elektrotechnischer
Einzelbauteile und Baugruppen (Assembling) vorwiegend von
ungelernten Arbeitskräften per Hand vorgenommen. Auch hier werden
mitunter Kinder beschäftigt, wenn auch merklich weniger als im
Bergbau. In der Regel wird das Assembling unter Arbeitsbedingungen
durchgeführt, die den internationalen Übereinkommen und
häufig auch den jeweiligen nationalen Arbeits- und Umweltgesetzen
in keinster Weise gerecht werden.
Über die Arbeitsbedingungen in der Produktion von
Kleinkomponenten
wird weniger berichtet. Da diese häufig auch in Entwicklungs- und
Schwellenländern stattfindet, kann man aber davon ausgehen, dass
dort ähnliche Probleme auftreten. Vereinzelte Berichte
bestätigen diese Vermutung (z.B.
Linsen,
Kondensatoren). Durch die hohe
Mechanisierung in diesem Bereich ist die Zahl der Betroffenen dort
etwas geringer als im Assembling, die negativen Umweltauswirkungen sind
aber durch besonders hohen Einsatz von Prozesschemikalien mindestens
genauso hoch.
Kritischen Konsumenten fällt es schwer, bei Elektronikprodukten
ihr Einkaufsverhalten nach sozialen Standards auszurichten, weil alle
Unternehmen im Großen und Ganzen auf
die selben Zulieferer
zurückgreifen. Somit unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen
hinter den Produkten der verschiedenen Marken nur marginal, im Bereich
der Einzelkomponenten gar nicht. Das Wissen über die
Missstände in der Zulieferkette der Elektroindustrie noch relativ
wenig verbreitet. Diverse unabhängige Organisationen arbeiten aber
auf verschiedenen Ebenen daran, die Öffentlichkeit zu informieren
und aufzuklären.
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