Entwicklungen in anderen Branchen

Das Projekt PHeFE orientiert sich an Entwicklungen, die in anderen Branchen beobachtet werden können. Die Lebensmittelindustrie beispielsweise ist hinsichtlich fairen Handels schon weit fortgeschritten. So haben konventionelle Firmen ihr Kaffeesortiment um zertifiziert faire Sorten erweitert. Auch in der Textilbranche lassen sich ähnliche Tendenzen erkennen. Vergleicht man die Entwicklungen dieser anderen Wirtschaftszweige, kann man gewisse Parallelen in der Entwicklung hin zu nachhaltigen Produktionsbedingungen erkennen:

Auf der einen Seite bemühen sich Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen darum, Informationen über soziale und ökologische Probleme in den Zulieferketten zu verbreiten, während andere Organisationen sich um Kooperationen mit den betroffenen Unternehmen bemühen, mit ihnen Leitlinien zu erarbeiten, übergreifende Stakeholder Seminare organisieren und so auch die betroffenen Unternehmensleitungen für soziale und ökologische Belange in ihrer Produktionskette sensibilisieren. Durch das Angebot eines fairen Alternativproduktes, meist durch kirchliche Kleinprojekte, werden diese Bemühungen konkretisiert.  Oder anders gesagt, wird dadurch die Möglichkeit der fairen Gestaltung des Produktionsprozesses sichtbar gemacht. Durch diese Projekte wird nicht nur die Aufklärung weiter voran getrieben, sondern auch ein Markt für fair gehandelte Produkte geschaffen. Erreicht dieser Markt eine Größe, die es für konventionelle Firmen attraktiv macht, ähnliche Produkte anzubieten, oder die gar eine Konkurrenz darstellt, steigen diese Firmen in das Geschäft ein und vergrößern den Markt damit wiederum um ein Vielfaches. In der Lebensmittelbranche z.B. bewirkten alle oben genannten Kräfte gemeinsam, dass Tchibo, neben vielen anderen Firmen, nun auch fair zertifizierten Kaffee in das Sortiment aufgenommen hat und damit wirbt, den Anteil an fairem Kaffee in den kommenden Jahren um ein vielfaches zu erhöhen. Auch aus anderen Bereichen, v.a. Lebensmittel und Textilien, lassen sich entsprechende Erfolge vermelden. (Nähere Details z.B. bei FAIRTRADE (UK))

Eine "Abkürzung" scheint in diesem System bisher nicht möglich zu sein: Es reicht nicht aus, den Wunsch nach fairen Produkten allgemein zu wecken und einige faire Beispielprodukte auf den Markt zu bringen, um Firmen aller Branchen zu einer Veränderung ihrer Produktionsstruktur zu bewegen. Vielmehr musste bisher jedes Produkt einzeln in einer fairen Version auf den Markt gebracht werden, um diese Umstellung zu erreichen. Die Verbreitung fairen Kaffees bewirkte z.B. nur, dass konventionelle Firmen fairen Kaffee in ihr Sortiment aufnahmen, nicht aber fairen Kakao oder Tee. Dies wurde erst durch die Etablierung fairer Schokolade durch kleinere Projekte erreicht. Es ist aber anzunehmen, dass sich durch die wachsende Bandbreite der fairen Produktpalette neue Produkte leichter auf dem Markt etablieren werden, als dies in der Anfangsphase des fairen Handels der Fall war.

Um auch in der Elektronikbranche einen Markt für nachhaltig produzierte Alternativprodukte zu etablieren, bietet es sich daher an, dieses „Konzept“ auf die Elektronikindustrie zu übertragen. Bemühungen, die Konsumenten und auch die Unternehmen selbst aufzuklären, sowie Leitlinien für und Kooperationen mit Unternehmen gibt es bereits auch im Elektroniksektor. Dem Beispiel der Lebensmittelindustrie und der Textilbranche folgend soll nun ergänzend mit einem kleinen, nachhaltig produzierten Gerät ein Pilotprojekt gestartet werden.